Montag, 24. November 2008

Lazy Europeans





































Zunaechst die gute Nachricht. Nachdem wir menschliche Katastrophen auf Fraser Island erlebt haben, wohnen wir jetzt in Bundaberg mit super netten Menschen aus Daenemark, Deutschland und Japan in einer WG zusammen, die an den Film L'auberge Espagnol erinnert. Insbesondere sind uns unsere japanischen Zimmergenossinnen Maroki und Kaori ans Herz gewachsen. Da sie der englischen Sprache nur begrenzt maechtig sind, sprechen sie nicht wirklich viel. Dafuer hoert man permanent suesse Glueckslaute. Nun zur Schattenseite der Farmarbeit. Das Hostel wird von einem psychopathischen Hotelmanager regiert, der jeden Tag gefuehlte tausend Mal durch ein Mikrofon ueber eine LAutsprecheranlage junge unschuldige Menschen zur Rezeption diregiert und wegen nichtiger Dinge zur Schnecke macht. Unsere "Vergehen" werden mit HIlfe von diversen Ueberwachungskameras aufgezeichnet und von -Johnno- akribisch untersucht. Wer seinen Zorn auf sich zieht, muss damit rechnen, dass private Gegenstaende konfisziert werden. Seine Aktionen sorgen in der WG fuer reichlich Gespraechsstoff und Heiterkeit.








Unser erster Arbeitstag begann auf einer Tomatenfarm, deren Supervisor ein kleiner rundlicher tuerkischer Mitbuerger ohne Umgangsformen war und zudem unsere Reiskekse wegfutterte. Sein Vokabular besteht aus: Are you finished? Girls, come here! Where are you going? Having a break? Als seine Handlanger agieren koreanische Drill-Instructorinnen, die keine Gnade kennen, wenn es um die Tomatenernte geht. Sie stehen einem staendig im Nacken. Unser Kollegenkreis bestand nur aus kleinen, fleissigen hektischen Asiaten, die Tomaten gepflueckt haben, als wuerde es um ihr Leben gehen. Nachdem ersten Tag wussten wir warum wir nur von -diesen- Landsleuten umgeben waren.. und warum sie so fix arbeiteten. Fuer einen 20 Liter Eimer bekam man einen laecherlichen Lohn von 70 cent (Euro). Nach einer Stunde wurde uns bewusst, dass wir uns einen anderen Job suchen mussten, weil wir fuer diesen Hungerlohn nicht in der Mittagssonne (ueber 30 Grad) knechten wollten. Hingegen war bei den Asiaten Turbo-Picking angesagt (s. Foto). Denn das 100er Limit musste jeden Tag geschafft werden. Mit unserer Ernte von durchschnittlich 20 Eimern pro Tag (60 Euro pro 4 Tage) wurden wir von den Drill-Instructoren als "lazy europeans" deklariert. Im Vergleich dazu arbeiten wir jetzt im Paradies auf einer kleinen Farm, gefuehrt von einem freundlichen Ehepaar, graben Sweet Potatoes aus und werden pro Stunde bezahlt. Zwei Wochen bleiben wir noch und dann gibt es neue Infos von den wieder gut gelaunten Ernte-Ladies.








Alles Liebe, Maya und Jantje

1 Kommentar:

Summekke hat gesagt…

"Lieber eine Süsskartoffeln aus der Erde, als 20 Liter Tomaten aus dem Eimer" - das hat mir schon damals mein australischer Aborigine-Opa geflüstert, als ich noch ganz klein war. Damals, im Outback...